Die erste Runde im DFB-Pokal zwischen Rot-Weiss Essen und dem FC St. Pauli am 23. August 2026 zeigte sich aus Fansicht durchaus ambivalent. Einerseits erreichte uns als Fanhilfe im Nachgang viel positives Feedback zum Ordnungsdienst. Wir begrüßen ausdrücklich, dass hier offenbar ein Wandel stattgefunden hat, bei dem die Rechte von Fans respektiert und Maßnahmen mit dem nötigen Augenmaß umgesetzt werden. Eine solche Entwicklung ist aus Sicht der Braun-Weißen Hilfe der richtige Weg, welcher auch zukünftig seitens der Verantwortlichen im Sinne aller Fußballfans beschritten werden sollte.
Ganz anders verhält es sich mit dem polizeilichen Auftreten einzelner Einheiten. Schon mit Ankunft am Essener Hauptbahnhof zeigten sich einzelne Polizist*innen der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) aus Sankt Augustin sichtlich gereizt und aggressiv. Ein Beispiel: Nachdem Ausstieg aus dem Zug rauchte ein Fan eine Zigarette auf dem Bahnsteig. Anstatt die Person verbal auf das möglicherweise geltende Rauchverbot aufmerksam zu machen, attackierten Polizistinnen der besagten BFE den Fan direkt körperlich.
Nach Informationen der Braun-Weißen Hilfe kam es nach dem Spiel im Bahnhofsbereich erneut zu unverhältnismäßiger Gewaltanwendung durch Polizist*innen besagter BFE aus Sankt Augustin. Auslöser war erneut eine Person, die Zigarette rauchte. Hier traf es einen minderjährigen Fan und seine Begleitung. Beide wurden, obwohl sie keine körperliche Gegenwehr zeigten, massiv physisch attackiert und durch die Beamt*innen verbal bedroht. Die Maßnahme wurde zudem hinter einer Abtrennung durchgeführt, welche eine Beobachtung durch Außenstehende erschwerte. Mitglieder der Fanhilfe, die den Umgang mit den betroffenen Fans beobachten und begleiten wollten, wurden ebenfalls körperlich angegangen, geschlagen und zu Boden geschubst. Sie waren deutlich als Mitglieder der Fanhilfe zu erkennen, griffen nicht in die Situation ein und hielten Abstand.
Es ist bezeichnend, dass die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes selbst bei anderen anwesenden Polizeikräften auf Unverständnis stieß – so sehr, dass zivile Polizeikräfte verbal in die Situation eingriffen und ihre BFE-Kolleginnen deutlich kritisierten. Diese Konfrontation zwischen Polizist*innen macht den Vorgang aus unserer Sicht umso bemerkenswerter, denn in der Regel wird derartige Kritik unter Kolleg*innen nicht öffentlich ausgetauscht.
Der Braun-Weißen Hilfe geht ausdrücklich darum, die Art und Weise, wie diese Maßnahmen durchgeführt wurden, kritisch aufzuarbeiten – insbesondere weil hier junge und minderjährige Fans betroffen waren, die im Vorfeld keinerlei Anlass für ein derart brutales Vorgehen geboten hatten. Ein solches Auftreten der Polizei ist für uns als Fanhilfe nicht hinnehmbar. Wir fordern alle St. Pauli-Fans, die ggf. Zeug*in dieser Situation geworden sind, dazu auf, sich bei uns zu melden.
Denn hier zeigt sich beispielhaft ein bekanntes Muster, welches Fußball-Fans immer wieder betrifft: Ein Spieltag wird nicht durch die Fans zum Problem, sondern erst durch das Vorgehen einzelner Polizeikräfte, die gezielt Provokation und Eskalation suchen. Vor allem geschlossene Einheiten wie die BFE oder das USK sind hier in der Vergangenheit negativ aufgefallen. Auch das Handeln polizeilicher Spezialeinheiten muss sich an rechtsstaatlichen Prinzipien und dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit orientieren.
Wir fordern die politisch Verantwortlichen daher dazu auf, das Vorgehen der genannten Einheiten kritisch zu überprüfen und ihrer Verantwortung für einen rechtsstaatlichen und verhältnismäßigen Polizeieinsatz gerecht zu werden.
Den betroffenen Fans ist unsere Unterstützung gewiss. Wir werden den Vorgang weiter begleiten und uns dafür einsetzen, dass das Geschehene aufgearbeitet wird. St. Pauli hält zusammen!
Braun-Weiße Hilfe | August 2026